Kirche St. Martini in der Fachwerkstadt Stolberg        
 

Die Martinikirche

 

     
 

Sie prägt das Stadtbild von Stolberg entscheidend, neben dem Schloss ist Ihre Silhouette der markante Punkt auf jedem Erinnerungsfoto der Residenzstadt. Die Treppe gleich neben dem Rathaus (welche gleichzeitig den einzigen Zugang zu den einzelnen Stockwerken darstellt) führt Sie hinauf zur Stadtkirche.
Ihr Ursprung ist zu Beginn des 13. Jahrhunderts zu finden. Eine ganze Reihe interessanter Details im Inneren lohnt einen Besuch.

Am 21. April 1525 besuchte Luther die Stadt und predigte in der Kirche. Bei diesem Besuch stiegt er auch hinauf zu der nach ihm benannten Buche (Lutherbuche) auf dem Bandweg und verglich Stolberg mit einem Vogel. „Das Schloss, vermeinte er, wäre der Kopf, die zwei Gassen wären die Flügel, der Markt der Rumpf und die Niedergasse der Schwanz.“

 

Öffnungszeiten:
Dienstag & Sonntag 13.00 – 16.00 Uhr
außer zu Gottesdienstzeiten  
Führungen für Gruppen nach Absprache besprechen Sie unter Tel.: 0 346 54 226 und 855334

Die nachfolgende kurze historische Zusammenfassung von St. Martini aus dem Heft „Die Martinikirche“ wurde vom Stolberger Geschichtsverein unter der Federführung von Herrn Bolte zur Verfügung gestellt.
Das Heft erhalten Sie in der Tourismusinformation am Markt und im Schloss.

 
         
         
 

Vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts wird auf einer künstlich angelegten Terrasse unterhalb der Grafenburg die Stolberger Kirche errichtet. Ob sich von diesem spätromanischen Erstbau noch Spuren im heutigen Kirchengebäude erhalten haben, ist ungewiss; sicher ist aber, dass die drei unteren Geschosse des ehemals frei stehenden Turms noch aus jener Zeit stammen.  

Ein Stolberger Pfarrer wird erstmals in einer um das Jahr 1252 verfassten Urkunde namentlich genannt. Einem raschen Bevölkerungsanstieg (bereits 1316 wird Stolberg als Stadt bezeichnet) ist es wohl geschuldet, dass das alte Kirchengebäude um 1300 durch einen Neubau ersetzt wird. Die Gestalt dieses frühgotischen Baus lässt sich teilweise an den heute noch vorhandenen Arkadenbögen und Pfeilern ablesen: eine weitgehend schmucklose Kirche, dreischiffig mit vier Jochen unterschiedlicher Ausdehnung.
 

Aus einem 1463 von Papst Pius II. ausgestellten Ablassbrief erfahren wir, dass die »in waldiger Gegend und am Bergabhange liegende Kirche in kurzem in Verfall geraten würde, wenn man ihr bei ihrem Alter nicht bald zu Hilfe käme.« Zwanzig Jahre später wird die Kirche grundlegend erweitert: Im Frühjahr 1484 beginnen die Bauarbeiten mit dem Aushub der »Kluft« unter dem künftigen neuen Chor. Bereits 1487 sind Unterkirche und Südbau mit Sakristei fertiggestellt und weitere drei Jahre später, am Dienstag nach Exaudi (25. Mai) 1490, wird der vergrößerte und mit einem imposanten Fünfachtelschluss versehene Chor seiner Bestimmung übergeben. Die Bauarbeiten sind indes noch nicht beendet, auch das Dach und die Umfassungsmauern werden erneuert. Wohl aus Geldmangel wird der Bau in westlicher Richtung allerdings immer anspruchsloser, der Neubau des Turmes unterbleibt ganz. So erklärt sich das seltsame Missverhältnis der Proportionen von Kirchturm und Kirchenschiff.
 
Bereits 20 Jahre später bricht sich die Reformation auch in Stolberg ihre Bahn. Maßgebliche Vertreter der neuen Lehre sind der Oberpfarrer Tilemann Plathner und der Rektor der Lateinschule, Johann Spangenberg. Ostern 1522 ist Thomas Müntzer in der Stadt zu Gast, hält »gar herrliche, schöne und christliche Predigten, darinnen das Geringste nicht zu tadeln gewesen.«
Martin Luther besucht am 21. 4.1525 Stolberg, wie die Chronik vermerkt: »Als anno 1525 Freitags nach Ostern Luther hier gepredigt und mit Hr. Wilhelm Reiffenstein nachgehends auf den Berg spazieret, verglich der Doktor die Stadt gar füglich einem Vogel. Das Schloss, vermeinte er, wäre der Kopf, die zwei Gassen wären die Flügel, der Markt der Rumpf und die Niedergasse der Schwanz.« - … das Herz aber die Kirche, wie ein Pfarrer später hinzufügt.

 

Nach Graf Bothos Ableben 1538 wird der lutherische Glaube in der Grafschaft Stolberg offiziell; kann sich aber erst mit dem Tod des Herzogs Georg von Sachsen ein Jahr später tatsächlich entfalten. Die Reformation wirkt sich auch auf die Ausgestaltung der Kirche aus. Nebenaltäre geraten außer Gebrauch, alte Ausstattungsgegenstände werden verkauft. Kapellenräume finden neue Verwendung, die ehemalige Unterkirche (»Kluft«) wird gar als Lager für Baumaterial benutzt. Das alte Taufbecken wird 1599 durch den von Gräfin Anna gestifteten prächtigen Taufstein aus Alabaster ersetzt.

Genau einhundert Jahre später beginnen die Arbeiten zum Einbau einer prachtvollen Barockorgel. Das Werk des Orgelbaumeisters Papenius ist im Wesentlichen 1703 fertiggestellt; wegen Geldmangels ziehen sich Restarbeiten allerdings noch über mehrere Jahre. In den Jahren von 1733 bis 1736 entfernt man die über den Seitenschiffen befindlichen Pultdächer und überspannt das gesamte Langhaus mit einem Satteldach. Leider verändert sich dadurch das Erscheinungsbild der Kirche nachteilig. Bedauerlicherweise wird auch der prächtige spätmittelalterliche Flügelaltar 1769 durch einen Kanzelaltar ersetzt. Anlässlich des Lutherjahres 1883 stiftet Amalie Richter, Ehefrau des Eisleber Bürgermeisters und gebürtige Stolbergerin, ein Altargemälde. Der damit verbundene Umbau des Altars gibt Anstoß zu einer umfangreichen Renovierung der Kirche, die zwei Jahre später ausgeführt wird und das Innere bis heute prägt.
 

In der Gegenwart wird die Kirche neben ihrer eigentlichen gottesdienstlichen Bestimmung Jahr für Jahr von Tausenden Touristen besucht. Vor allem in den Sommermonaten finden Chor- und Orgelkonzerte statt. Seit einigen Jahren wird das Bauwerk einer Generalinstandsetzung unterzogen; nach Arbeiten zur Trockenlegung des Mauerwerks wird derzeit (2013) der Turm saniert. In den nächsten Jahren soll der gesamte Baukörper instand gesetzt werden.